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Medizin
4Krampfadern
(Entstehung und Formen - ausführlich)

Krampfadern sind mit die häufigsten chronischen Krankheiten, die es überhaupt gibt.
Sie haben eigentlich nichts mit Krämpfen zu tun, sondern kommen von dem alten Begriff
"Krummader", also krumme Ader. Andere Begriffe für Krampfader sind Varizen, Varikosis
oder Varikose. Mit all diesen Begriffen wird eine Erweiterung des ober-flächlichen
Venensystems beschrieben, ein Leiden, das Menschen wahrscheinlich dem aufrechten Gang
"verdanken", welcher zu einer vermehrten Belastung des Venen-systems führt. Die
Ursachen hierfür sind vielschichtig. Veranlagung (= Bindegewebs- oder Venenwandschwäche),
Bewegungsmangel, Schwangerschaft und übergewicht spielen eine wesentliche Rolle.
Das Grundproblem entsteht aus der Tatsache, dass wir als aufrecht gehende »Zweibeiner«
das verbrauchte, sauerstoffarme Blut beim Gehen nach oben pumpen müssen. Hierfür ist
vorrangig die Muskulatur der Funktionseinheit Fuß-Sprunggelenk-Wadenmuskel zuständig.
Besonders stark mit Venen durchsetzt ist dabei der Wadenmuskel, der sich beim Gehen mit
jedem Schritt einmal voll saugt und dann ausgepresst wird. Daher sind Krampfadern
häufig an den Beinen, aber viel seltener an den Armen zu finden, wo meistens andere
Ursachen zu finden sind als am Beinvenensystem.
Wenn man berücksichtigt, dass sich diese Mechanismen für Menschen entwickelt haben,
die über Millionen Jahre hinweg in zahllosen Generationen der Jäger und Sammler ihr
Leben als Fußgänger verbracht haben, wird sehr schnell klar, dass wir durch unsere
hoch zivilisierte Lebensweise diesen Abschnitt des Kreislaufs ständig massiv überlasten.
Zunehmende überdehnung dieser Gefäße ist die Folge. Diese »Materialermüdung« erfasst
im Laufe der Zeit meist alle Abschnitte des Beinvenen- systems. Besenreiser, Krampfadern,
ödeme (Schwellungen) entstehen und können eine Reihe von Komplikationen verursachen wie
Venenentzündungen, Thrombosen (Blutgerinnsel), Embolien (Verstopfung der Lungengefäße),
Gewebsentzündungen, Beingeschwüre. Diese Spätfolgen können in den aller- meisten Fällen
durch frühzeitige Behandlung und konsequente Nachsorge vermieden werden.
Man unterscheidet verschiedene Formen von Krampfadern. Meist liegt eine teilweise
erblich bedingte Venenschwäche vor, die zu einer Stauung durch Veränderung der Venenwände
und deren Venenklappen kommen. Dann spricht man von einer primären Varikosis. Da das
oberflächliche Venensystem nur zu einem geringen Anteil den Rücktransport des Blutes aus
den Beinen sicherstellt, kann man das oberflächliche Beinvenensystem auch operativ entfernen,
wenn es für die Venenfunktion erforderlich ist.
Ganz anders sieht die Situation bei einer sekundären Varikosis aus. Hierbei erweitern sich
die oberflächlichen Beinvenen, weil sie als Umgehungsgefäße bei Verlegung des tiefen
Beinvenensystems benutzt werden und das tiefe Beinvenensystem das anfallende Blut nicht in
ausreichendem Maße abtransportieren kann. Der Druckanstieg im tiefen Beinvenensystem führt
dann nach und nach zur Erweiterung der oberflächlichen Beinvenen.
Je nach Größe und Funktion werden verschiedene Krampfadertypen unterschieden:
- Stammvarikosis
- Seitenastvarikosis
- retikuläre Varizen
- Perforansvarizen
- Besenreiservarikosis
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